
Die Strukturierung einer Unterrichtseinheit in fünf distincte Phasen ist nicht einfach eine zeitliche Aufteilung. Die fünf Schritte der Didaktik bilden einen Rahmen, der die Ziele, die Erfolgskriterien und die kognitiven Vorgehensweisen sichtbar macht, die sowohl von der Lehrkraft als auch von den Lernenden mobilisiert werden. Ihre jüngste Formalisierung dient auch als Hebel für Chancengleichheit in der Schule, indem sie die Lesbarkeit der Erwartungen für die schwächsten Schüler systematisiert.
1. Eröffnung und Aktivierung der Vorkenntnisse

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Die Eröffnung wird mittlerweile als ein eigenständiger didaktischer Moment betrachtet und nicht als einfaches Begrüßungsritual. Ihre Rolle besteht darin, die vorherigen Kenntnisse zu reaktivieren, die der Lernende benötigt, um das neue Konzept zu erfassen. Ohne diesen Schritt besteht das Risiko, auf instabilen Fundamenten aufzubauen.
Konkret kann die Lehrkraft eine gezielte Frage stellen, eine kurze Wiederholungsübung anbieten oder ein synthetisches Schema der vorherigen Sitzung anzeigen. Es geht nicht darum, “Hausaufgaben zu korrigieren”, sondern eine kognitive Brücke zwischen dem, was bereits erworben wurde, und dem, was folgen wird, zu schaffen.
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Um die Definition von Didaktik und Pädagogik zu vertiefen, ist zu beachten, dass diese Eröffnungsphase die didaktische Vorgehensweise präzise von einem rein pädagogischen Ansatz unterscheidet, der sich auf die Gruppenanimation konzentriert.
2. Übertragung des Problems an den Lernenden

Das Konzept der Übertragung, formalisiert von Guy Brousseau, bezeichnet den Prozess, durch den die Lehrkraft die Verantwortung für ein Lernproblem an den Schüler überträgt. Der Schüler muss sich der Aufgabe so widmen, als wäre die Situation nicht didaktisch, das heißt, Entscheidungen treffen und die Wirksamkeit seiner Strategien selbstständig bewerten.
Fehler bei der Übertragung stellen einen der kritischen Punkte einer Sequenz dar. Wenn die Lehrkraft zu viel führt, führt der Schüler ohne Verständnis aus. Wenn sie zu wenig führt, verliert der Schüler den Anschluss. Die folgende Tabelle vergleicht die Auswirkungen dieser beiden Fallstricke auf das Lernen.
| Parameter | Übermäßige Anleitung | Unzureichende Anleitung |
|---|---|---|
| Kognitives Engagement des Schülers | Niedrig (mechanische Ausführung) | Null oder angstbesetzt (Aufgabe aufgegeben) |
| Wissenserwerb | Oberflächlich, wenig übertragbar | Abwesend oder fragmentarisch |
| Rolle der Lehrkraft | Direkter Übermittler | Passiver Beobachter |
| Art der Situation | Explizite Didaktik | Erlittene nicht didaktische Situation |
Im Gegensatz dazu verwandelt eine ausgewogene Dosierung die Übertragung in eine produktive a-didaktische Situation, in der der Schüler seine Kompetenzen mobilisiert, ohne die Lehrabsicht zu erkennen.
3. Didaktische Transposition und Auswahl der Inhalte

Die didaktische Transposition bezeichnet den Übergang vom wissenschaftlichen Wissen (produziert durch Forschung) zum gelehrten Wissen (in der Klasse präsentiert). Es handelt sich nicht um eine Vereinfachung: es ist eine Rekonstruktion. Ein mathematischer Satz wird nicht für Schüler der dritten Klasse “zusammengefasst”, sondern in einer Sprache, mit Beispielen und Situationen, die ihrem kognitiven Niveau angepasst sind, umformuliert.
Die neuen französischen Lehrpläne 2024-2026 verändern diesen Prozess grundlegend. Didaktische Sequenzen müssen nun in Bezug auf Kompetenzen und nicht nur auf Fachinhalte gedacht werden. Ein Mathematiklehrer transponiert nicht mehr nur “die Brüche”: er transponiert die Kompetenz “ein Problem zu lösen, das Brüche in einem konkreten Kontext beinhaltet”.
Diese Entwicklung zwingt dazu, die dritte Phase des Vorgehens neu zu konfigurieren. Der Lehrplan liefert nicht mehr eine Liste von Begriffen zum Abhaken, sondern ein Kompetenzrahmen, der mit vielfältigen Lernsituationen verknüpft werden muss.
4. Institutionalisierung des Wissens

Die Institutionalisierung ist der Moment, in dem die Lehrkraft validiert und formalisiert, was die Schüler in den vorherigen Phasen entdeckt oder erarbeitet haben. Ohne diesen Schritt bleiben die Kenntnisse implizit, schwebend und schwer in einem anderen Kontext mobilisierbar.
Sie nimmt oft die Form eines gemeinsamen schriftlichen Protokolls, einer geteilten Definition oder eines Synthesediagramms an. Ihre Wirksamkeit hängt von zwei Bedingungen ab:
- Die Formulierung muss die Worte und Argumente der Schüler aufgreifen, nicht nur die des Lehrbuchs, damit der Lernende seinen eigenen Weg im institutionalisierten Wissen erkennt.
- Die Verbindung zwischen der erlebten Situation und der formalisierten Regel muss explizit sein: Der Schüler muss verstehen, warum diese Formulierung das zusammenfasst, was er getan hat.
- Der gewählte Zeitpunkt ist entscheidend: Zu früh zu institutionalisieren schneidet die Erkundung ab, zu spät lässt falsche Vorstellungen festigen.
Im Rahmen des expliziten Unterrichts macht die Institutionalisierung die Erfolgskriterien sichtbar und ermöglicht es dem Schüler zu überprüfen, ob er das zu Beginn der Sitzung gesetzte Ziel erreicht hat.
5. Abschluss, Metakognition und Konsolidierung

Der Abschluss beschränkt sich nicht auf das Einsortieren der Hefte. Wie die Eröffnung wird er heute als ein didaktischer Moment für Metakognition anerkannt. Der Schüler verbalisiert, was er gelernt hat, wie er es gelernt hat und was ihm Schwierigkeiten bereitet hat.
Diese Phase erfüllt drei distincte Funktionen:
- Die Speicherung des institutionalisierten Wissens durch Umformulierung mit eigenen Worten zu festigen.
- Die Identifizierung verbleibender Unverständniszonen, bevor sie sich verfestigen.
- Die Vorbereitung der nächsten Sitzung, indem ein Ankerpunkt für die nächste Eröffnungsphase geschaffen wird.
Der strukturierte Ansatz in fünf Schritten zieht einen Teil seiner Stärke aus diesem Kreislauf: Der Abschluss einer Sitzung nährt die Eröffnung der nächsten. Der didaktische Zyklus funktioniert nicht als lineare Abfolge, sondern als spiralförmige Kette, in der jeder Durchgang die angestrebten Kompetenzen vertieft.
Im Gegensatz dazu lässt eine Sitzung ohne expliziten Abschluss den Lernenden ohne Orientierung zurück, was er behalten soll. Die Praktiken des expliziten Unterrichts zeigen, dass die systematische Formalisierung dieser letzten Phase die Lesbarkeit der Erwartungen verbessert, insbesondere für Schüler, die außerhalb der Schule keine schulische Unterstützung erhalten.
Der didaktische Ansatz in fünf Schritten stellt keinen starren Rahmen dar. Sein Wert liegt in der Sichtbarkeit, die er den Lernprozessen gibt, sowohl für die Lehrkraft, die plant, als auch für den Lernenden, der Fortschritte macht. Die jüngsten Lehrplanreformen, die sich auf Kompetenzen konzentrieren, verstärken die Relevanz dieser Strukturierung, indem sie jede Phase dazu zwingen, über die bloße Übermittlung von Inhalten hinauszugehen.